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Fabergés Kaviarschale: Ein kleines Stück Luxus aus Jade

Eine Kaviarschale aus Silber und Nephrit in Houston zeigt eine stillere Seite von Fabergé, bei der das Gefäß ebenso fasziniert wie die Delikatesse.

Caviar Experiences12. September 20264 Min. Lesezeit
Fabergés Kaviarschale: Ein kleines Stück Luxus aus Jade

Eine Kaviarschale kann den Anlass, für den sie geschaffen wurde, um ein Jahrhundert überdauern. Die Gäste verschwinden, die Speisekarte geht verloren, und das Gefäß bleibt. Ein paar beharrliche Details trägt es bis in die Gegenwart. Ein solches Stück im Museum of Fine Arts, Houston bringt ein unerwartetes Material an die Kaviartafel: Jade.

Das Museum schreibt seine Kaviarschale dem Haus Fabergé zu, datiert sie auf 1908–1917 und nennt St. Petersburg als Herstellungsort. Die Materialien sind Silber und Nephrit. Mit 18,4 Zentimetern an ihrer längsten Seite und nur 3,2 Zentimetern Höhe ist sie ein kleines Objekt, das erstaunlich viel Gesprächsstoff bietet. Zum Objekteintrag des Museums.

Titelbild: eine illustrative Kaviarfotografie aus unserem Bestand. Der oben verlinkte Museumseintrag enthält Fotografien des Objekts.

Jade auf dem Tisch

Nephrit ist eines der beiden Schmucksteinmaterialien, die gemeinhin Jade genannt werden. Das andere ist Jadeit. Das Australian Museum beschreibt ihre zähe, mikrokristalline Struktur und ihre lange Verwendung für Schnitzarbeiten. Es erklärt auch, dass Eisen zur Farbe des Nephrits beiträgt: Ein höherer Eisengehalt führt zu tiefgrünen bis schwarzen Farbtönen. Australian Museum: Nephritjade.

Damit spielt das Material eine Rolle, die über einen kostbaren Eindruck hinausgeht. Ein aus Stein gearbeitetes Gefäß lenkt den Blick auf seine Substanz, seine Oberfläche und die Arbeit, die seine Form verlangt. Beim Kaviar entsteht ein besonders reizvoller Gegensatz: eine Speise, die in einem Augenblick genossen wird, in einem Gegenstand, der Bestand haben soll.

Mehr als die berühmten Eier

Fabergés Welt reichte weit über dekorative Eier hinaus. Die Ausstellung des Victoria and Albert Museum über das Londoner Geschäft der Firma zeigte unter anderem eine Zigarrenkiste, ein Zigarettenetui, Tierfiguren und eine bemalte Emailrose mit Nephritblättern. Die Londoner Niederlassung eröffnete 1903. Diese Gegenstände ordnen die Kaviarschale in eine weit größere Kultur kunstvoll gearbeiteter Besitztümer ein. V&A: Fabergé in London.

Eine besonders reizvolle Parallele bietet der Sandringham-Auftrag von 1907. Fabergé fertigte Tierporträts aus Hartstein nach den Tieren von König Edward VII. und Königin Alexandra. Laut V&A wurden die Steine nach Farben und Zeichnungen ausgewählt, die Fell und Gefieder wiedergeben konnten. Aus dunklem Obsidian wurde ein Dexter-Bulle; bei anderen Tieren kamen mehrere Steine zusammen. V&A: der Sandringham-Auftrag.

Was die Dokumentation bewahrt

Kleine Details geben der Geschichte festen Boden. Das Museum verzeichnet den Namen Fabergé in kyrillischer Schrift auf dem Silber sowie weitere Marken, darunter die Zahl 84. Es ordnet das Stück der Rienzi Collection zu, einer Schenkung von Mr. und Mrs. Harris Masterson III, und nennt 1996 als Jahr der Schenkung an das Museum. Seine Inventarnummer lautet 96.1316. MFAH: Katalog und Provenienz.

Die Identität des ersten Käufers bleibt im öffentlichen Katalog eine offene Frage. Die Herstellung der Schale wird dort auf eine Zeitspanne von neun Jahren datiert.

Ein Gegenstand für gute Gespräche

Der Reiz dieser Schale liegt in ihrem Maßstab. Ein kleines Tischobjekt eröffnet ein ganzes Themenfeld: Steinschneidekunst, Silberarbeit, Sammeln und die Sorgfalt, mit der eine kleine Menge Nahrung präsentiert wird.

An einer heutigen Kaviartafel bietet ihre Geschichte einen ungewöhnlichen Gesprächseinstieg. Jemand bestellte oder kaufte einst ein Gefäß aus Silber und Jade für diese Delikatesse; heute nehmen wir uns Zeit, das Gefäß selbst zu würdigen. Die Mahlzeit ist vergangen. Das Handwerk gibt uns noch immer etwas zu genießen.

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