Wie ein Stör seine Nahrung findet
Vier Sinnesbarteln, ein vorstülpbares Maul und keine Zähne im Erwachsenenalter: Der Fisch hinter dem Kaviar frisst auf ungewöhnliche Weise.
Ein ausgewachsener Stör kann eine Mahlzeit ohne einen einzigen Zahn aufnehmen. Sein Maul bildet eine vorstülpbare Röhre unter dem Kopf, die sich zur Nahrung am Gewässergrund bewegt. Er beißt also nicht mit Kiefern an der Schnauzenspitze zu. Das California Department of Fish and Wildlife beschreibt diesen Aufbau in seiner Darstellung der kalifornischen Störe: Die Nahrung wird eingesaugt und im Ganzen verschluckt.
Bei einem Tier, das meist über seine Eier vorgestellt wird, lohnt sich dieser Perspektivwechsel. Vor dem Kaviar steht ein Fisch mit einer bemerkenswerten Art, seine Nahrung zu finden. Ein Blick unter die Schnauze hilft, die ungewohnten Körperteile zu verstehen.
Titelillustration: eine konzeptionelle weiße Linienzeichnung eines Störs und der Unterseite seines Kopfes, keine Artbestimmungstafel und keine maßstabsgetreue Darstellung.
Vier Fühler vor dem Maul
Die herabhängenden Fortsätze heißen Barteln. Beim Seestör beschreibt der U.S. Fish and Wildlife Service vier Sinnesbarteln vor dem Maul, mit denen der Fisch Nahrung aufspürt. Sie sind weder kleine Flossen noch zusätzliche Zähne. Ihre Lage bringt die Suchorgane vor die Öffnung, durch die das Futter aufgenommen wird.
Sie können mehr, als ihr schnurrbartähnliches Aussehen vermuten lässt. Die Beschreibung eines Fotos von Seestören des Fish and Wildlife Service erklärt, dass die Barteln Geschmacksknospen tragen. Der Fisch kann seine Nahrung schmecken, bevor er sie ins Maul saugt. Geschmack muss hier also nicht erst im Mund entstehen.
Dieses Detail verändert den Blick auf ein Foto des Tieres. Die spitze Kopfform fällt sofort auf, doch der Apparat zur Nahrungsaufnahme liegt darunter. Schnauzenspitze und Maul sind zwei verschiedene Orientierungspunkte.
Ein Maul, das nach unten reicht
NOAA Fisheries bezeichnet das Maul als vorstülpbar: Es kann nach außen geschoben werden. Im SCUTES-Leitfaden über Atlantische Störe und Kurznasenstöre beschreibt die Behörde, wie die Fische Tiere vom Grund der Flüsse, Flussmündungen und Küstengewässer einsaugen. Das Maul bewegt sich zur Nahrung hin, dann zieht der Fisch sie ein.
Derselbe Leitfaden erklärt den nächsten, weniger sichtbaren Schritt. Die unzerkleinerte Nahrung gelangt in einen muskulösen Magen, der sie für die Verdauung zerdrücken und aufbrechen kann. Das Fehlen von Zähnen bedeutet also nicht, dass die Zerkleinerung entfällt. Ein Teil dieser Arbeit geschieht weiter hinten im Verdauungstrakt.
Die Abfolge lässt sich leicht merken: aufspüren, einsaugen, verarbeiten. Barteln, Maul und Magen übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Die bloße Bezeichnung als Bodenfresser sagt wenig über diesen Mechanismus aus.
Eine Methode, kein einheitlicher Speiseplan
Diese Methode bedeutet nicht, dass alle Störe dasselbe fressen. Der Fish and Wildlife Service nennt Schnecken, Flusskrebse, Muscheln und Wasserinsekten als typische Nahrung des Seestörs. Auch kleine Fische und Eier können dazugehören. Die kalifornische Fischereibehörde führt ebenfalls Fische und Fischeier neben bodenlebenden Krebstieren und Muscheln auf. Zahnlos bedeutet nicht vegetarisch.
Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. NOAAs Beschreibung des Golfstörs schildert, wie sich Nahrung und Futtergebiete je nach Lebensstadium verändern. Subadulte und erwachsene Tiere fressen während ihres Aufenthalts im Fluss nicht. Nach dem Wechsel in die Mündungsgewässer im Herbst nehmen sie ausgiebig Nahrung auf. Das ist ein bestimmtes Muster im Lebenszyklus, kein Fresskalender für sämtliche Störe.
Diese Beobachtungen betreffen die Biologie wildlebender Fische. Sie verraten weder, welches Futter ein bestimmter Zuchtbetrieb verwendet, noch wie eine bestimmte Dose schmeckt. Sie ermöglichen etwas Einfacheres: einen genaueren Blick auf das Tier hinter der Zutat. Vier Barteln und ein nach unten reichendes Maul verdienen einen Platz neben dem vertrauten Bild seines Rogens.
Zum Weg vom Fisch zur beschrifteten Dose lesen Sie Eine Kaviardose lesen.
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